Wort des Tages
Gedanken zum Tag – Freitag, den 29 Mai 2026
Losungswort: Ich habe erkannt, HERR, dass der Mensch nicht über seinen Weg bestimmt. – (Jeremia 10,23).
Lehrtext: Der reiche Mensch sprach: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Und wem wird dann gehören, was du bereitet hast? – (Lukas 12,19-20).
Das wahre Vermögen
Der Prophet Jeremia ringt in einer Zeit politischer Zerrissenheit mit der Ohnmacht des Menschen und hält im Gebet fest: „Ich habe erkannt, HERR, dass der Mensch nicht über seinen Weg bestimmt“ (Jeremia 10,23). Diese Einsicht bildet das zeitlose Fundament für die Erkenntnis, dass unsere menschliche Planung letztlich Grenzen hat – eine Wahrheit, die Jesus im Lehrtext auf drastische Weise zuspitzt und uns direkt vor die Frage stellt, worauf wir unser Lebensglück eigentlich gründen.
Das Gleichnis vom reichen Kornbauern rührt an eine unserer tiefsten existenziellen Sehnsüchte: das Verlangen nach absoluter Sicherheit, Unabhängigkeit und materieller Absicherung. Wir leben in einer Welt, die uns unablässig suggeriert, dass wir durch Vorsorge, Fleiß und das Anhäufen von Gütern unser Schicksal selbst in der Hand haben. Wenn sich jedoch der Gedanke einschleicht, wir hätten für viele Jahre ausgesorgt und könnten uns nun beruhigt zurücklehnen, maskiert diese scheinbare Ruhe oft die nackte Angst vor der eigenen Vergänglichkeit und der inneren Leere.
Jesus entlarvt diese Illusion der Selbstsicherung im Lukasevangelium mit einer radikalen Klarheit, indem er Gott zu dem vermeintlich Klugen sprechen lässt: „Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern.“ Jesu Worte weisen uns unmissverständlich darauf hin, dass das Leben ein unverdientes Geschenk im Hier und Jetzt bleibt, das sich niemals einfrieren oder durch Besitz erkaufen lässt. Die wahre Tragweite des Lehrtextes liegt nicht in einer moralischen Verurteilung von Wohlstand, sondern in der Einladung zur Beziehungsfähigkeit: Reich zu sein vor Gott bedeutet, die Gegenwart im Vertrauen auf seine Liebe anzunehmen, anstatt das Leben im Bunker der eigenen Absicherungen zu verpassen.
Diese Einsicht schenkt uns eine wunderbare Entlastung für unseren heutigen Tag und befreit uns vom Zwang, die Zukunft perfekt zu kontrollieren. Wir dürfen die Hände öffnen, um das Leben dankbar zu genießen – zu essen, zu trinken und guten Mutes zu sein –, nicht aus einer ignoranten Gleichgültigkeit heraus, sondern getragen von der Gewissheit, dass unsere Seele in Gottes Ewigkeit bereits unumstößlich geborgen ist. Wir gehen deshalb gelassen und mit einem freien, großzügigen Herzen durch diesen Freitag, denn der beste Vorrat für unser Leben ist Gottes tägliche, verlässliche Gnade.
Gebet:
Vater im Himmel, ich merke oft, wie sehr ich versuche, mein Leben durch eigene Anstrengung und materielle Dinge abzusichern. Vergib mir, wenn ich meine Sicherheit in vergänglichen Vorräten suche statt in dir. Danke für die heilsame Erinnerung, dass mein Leben in deiner Hand liegt und ich jeden Moment als Geschenk aus deiner Güte empfangen darf. Nimm mir die Angst vor dem Morgen und schenke mir ein freies, vertrauensvolles Herz, das heute einfach zur Ruhe kommt und reich ist in deiner Liebe.
Amen.
Die Losungen stehen unter dem Copyright der Evangelischen Brüder-Unität – Herrnhuter Brüdergemeine www.ebu.de. Weitere Informationen unter: www.losungen.de.