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Wort des Tages

Gedanken zum Tag – Samstag, den 30. Mai 2026


Losungswort: Der HERR, der gütig ist, wolle gnädig sein allen, die ihr Herz darauf richten, Gott zu suchen. – (2. Chronik 30,18-19).
Lehrtext: Jesus erzählt im Gleichnis: Da machte er sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit weg war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. – (Lukas 15,20).

Die offene Tür


König Hiskia betete einst für ein Volk, das unvorbereitet das Passahfest feierte, mit den vertrauensvollen Worten: „Der HERR, der gütig ist, wolle gnädig sein allen, die ihr Herz darauf richten, Gott zu suchen“ (2. Chronik 30,18-19). Diese alttestamentliche Sehnsucht nach einem gnädigen Gott findet ihre absolute Erfüllung und lebendige Zuspitzung in einer der berührendsten Geschichten, die Jesus je erzählt hat und die uns direkt ins Herz der göttlichen Vaterliebe führt.

Wir alle kennen das lähmende Gefühl von Scham, Schuld und moralischem Scheitern, das uns innerlich von Gott und unseren Mitmenschen distanziert. Wenn wir eigene Lebenswege im Sande verlaufen lassen oder im Egoismus versinken, schleicht sich schnell die Angst ein, nicht mehr gut genug zu sein oder für unsere Fehler bitter bezahlen zu müssen. In dieser existenziellen Zerrissenheit neigen wir dazu, uns noch weiter zu verstecken oder krampfhaft zu versuchen, unseren Zustand erst selbst zu reparieren, bevor wir Gott überhaupt wieder unter die Augen treten.

Doch das von Jesus gemalte Bild bricht radikal mit jeder menschlichen Logik von Vorwurf und Strafe: „Als er aber noch weit weg war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn“ (Lukas 15,20). Hier wird das aktive Handeln Gottes im Hier und Jetzt sichtbar, denn der Vater wartet nicht distanziert auf eine formvollendete Entschuldigung, sondern überwindet jede Kluft durch sein Entgegenlaufen. In dieser herzzerreißenden Geste Jesu offenbart sich die bedingungslose Gnade, die uns nicht nach unserer Reinheit oder unseren Verdiensten bewertet, sondern uns bereits in unserer Unvollkommenheit mit offenen Armen empfängt.

Diese Gewissheit entlastet uns völlig für diesen Samstag und nimmt uns den Druck, eine perfekte Fassade aufrechterhalten zu müssen. Wir dürfen mit all unseren Brüchen, Zweifeln und unfertigen Lebenskapiteln einfach umkehren und uns von Gottes Liebe einholen lassen. Gehen wir deshalb getrost und mit leichtem Herzen in dieses Wochenende, denn die Tür des Vaters steht weit offen, und seine barmherzige Umarmung gilt uns heute ganz persönlich.

Gebet:
Vater im Himmel, danke für deine unbegreifliche Liebe, die mir immer schon entgegenläuft, noch bevor ich überhaupt den ersten Schritt der Umkehr wage. Du kennst meine Scham, meine Fehler und die Momente, in denen ich mich von dir entfernt habe und mich deiner Gegenwart unwürdig fühle. Danke, dass ich bei dir keine Bedingungen erfüllen muss, sondern mich einfach in deine Arme fallen lassen darf. Nimm mir heute jede falsche Scheu, heile meine verletzte Seele und lass mich ganz tief in deiner vergebenden Gnade zur Ruhe kommen.
Amen.


Die Losungen stehen unter dem Copyright der Evangelischen Brüder-Unität – Herrnhuter Brüdergemeine www.ebu.de. Weitere Informationen unter: www.losungen.de.